Für meine Mutter…

Liebe Freunde,

ihr habt es vielleicht schon in meinen Twitter-Feed gelesen: gestern früh hat uns meine Ma verlassen. Und erst jetzt so nach und nach kann ich es wahr haben,  dass sie nie mehr wiederkommen wird. Es ist so surreal: Sonntag Nachmittag haben wir noch fröhlich ihren Geburtstag draußen im Garten nachgefeiert (sie wurde 66 Jahre alt), und 30 Stunden später ist sie einfach nicht mehr da.

Dienstag früh, 6.45 Uhr. Das ausgeschaltete Handy rappelt mit seiner Weckfunktion los. Kurz nach dem Einschalten treffen zwei SMS ein: ein nichtbeantworteter Anruf (klar, Handy war ja aus) und eine Nachricht auf der Sprachmailbox. Und ich mach im Bett noch meine Späßchen mit meiner Herzallerliebsten:”Das sind wieder meine Weibergeschichten; die versuchen mich immer nachts anzurufen…” Ich höre also die Sprachmailbox ab: meine verweint klingende kleine Schwester, welche um Rückruf bittet. Und so erfuhr ich also, dass meine junge Ma nicht mehr unter uns ist. Wir verabreden uns für wenig später bei unserem Elternhaus.

Es ist so verrückt, wie völlig irrational man nach so einer Nachricht handelt. Das erste, was ich gemacht habe: ich habe einen Termin am 13. Dezember dieses Jahres aus meinem PocketPC gelöscht. Da wollten meine Eltern ihren 40. Hochzeitstag “vorfeiern” (der tatsächliche Hochzeitstag ist der 23. Dezember), und dazu hatten meine Eltern mich noch zwei Tage zuvor eingeladen, und gestern hab ich den Termin erst eingetragen. Ich hatte mich so darauf gefreut. Wie die Zeit vergeht – war doch nicht gerade erst die Silberne Hochzeit im Saal des Kleingartenlokals “Ost-Bahn” in den Auwiesen nahe dem Brachenfelder Gehölz? Ich war damals der DJ… schon wieder 15 Jahre her.

Und nun fällt es mir also schwer, mich an den Gedanken zu gewöhnen, dass ich keine Mutter mehr habe. Wir hatten nie so ein typisches Mutter-Sohn-Verhältnis, sondern ein eher freundschaftlich geprägtes. Wir haben uns nicht oft gesehen, aber wenn, dann war die Freude um so größer. Und kurz nachdem ich die Todesnachricht erhalten habe, habe ich beim Frühstück sogar noch lachen können – über all die Witze, die wir uns all die Jahre so erzählt haben und all den Blödsinn, den wir miteinander gemacht haben.

Tröstend ist, dass meine Mutter friedlich eingeschlafen ist. Abends zuvor hat sie in ihrem Bett noch ferngesehen und hat den Fernseher vorm Einschlafen auch noch ausgeschaltet. Morgens hat mein Vater, der sie fand, lediglich an dem fehlenden Atemhub des Brustkorbs gemerkt, dass sie nicht mehr bei uns ist. Sie lag völlig entspannt da, Füße übereinander geschlagen, und hat keinerlei Anzeichen von Schmerzen gehabt.

Mama, du fehlst mir…

Eine Antwort “Für meine Mutter…”

  1. Eichental sagt:

    Ich kann verstehen, daß dir die Situation surreal vorkommt. Ich glaube unser Gehirn ist auf überraschende Dinge nicht wirklich vorbereitet. Ein Regenguß, eine rote Ampel alles Dinge die endlich sind genauso wie wir wissen daß auch das Leben endlich ist. Aber trotzdem wird man vom Tod i.d.R. überrascht. Es graut mir vor dem Tag, an dem ich in dieser Situation sein werde. Und trotzdem, unser Leben wird weitergehen. Laß dir Zeit die Situation zu verarbeiten, irgendwann merkt auch der Kopf das Ganze zu verstehen. Nochmals mein Beileid.

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