Archiv für November, 2009
Brieftour-Pod #26
Ursprünglich sollte dies nur eine kurze Folge zum Austesten des neuen Aufnahme-Equipments werden, aber dann habe ich mich doch an das neue “Handling” des FAME HR-2 VoiceRecorders gewöhnt. Also einmal mehr herzlich willkommen zur Episode 26 des Brieftour-Pods vom 24. November 2009. Wenig Gutes verheißend geht gleich zu Anfang ein Versuch schief, da ich vor einer verschlossenen Tür stehe, hinter der ich in ruhiger Umgebung etwas einsprechen wollte, um das Grundrauschen zu testen. Aber dann komme ich mit meinen Briefzustellungen gut voran und ebenso mit der Aufnahme, welche wider Erwarten ganz anhörbar geworden ist, wie ich finde. Anmerkungen zur Bedienung des neuen Gerätes ziehen sich also wie ein roter Faden durch die ganze Folge.
Ich schildere ein wenig die Vorlesestunden im Hauke-Haien-Kindergarten und die Freude der Kinder, wenn sie mich sehen – und das, obwohl ich über fünf Monate weg war.
Setzt jemand von euch bereits HTML5 ein? Also ich schon – wenn auch meist nur den genial einfachen Doctype. Darüber möchte ich gern mit euch diskutieren. Des Weiteren sinniere ich über gefühlt ungewohnte Werbung in Nachrichtenradios und erzähle ein wenig über den weiteren Abstieg von N24. Danach gebe ich meine Gedanken zum Thema “Rundfunkgebühren” zum Besten und zeige auf, wie teuer uns Radio- und TV-Werbung beim täglichen Einkaufen kommt. Dass klassische Medien wie TV und Print noch lange nicht tot sind und Online-Medien nicht das Allheilmittel sind, schildere ich am Beispiel der Netzeitung sowie am neuen Online-Print-Projekt niiu.de, einer “richtigen” Zeitung, deren Inhalt aus Online-Content besteht. Ob das funktioniert? Jeder Journalist sollte wissen, dass man Online-Texte anders schreibt als für Print – allein schon, weil das Leseverhalten ein ganz anderes ist. Na ja…
Es hängt eine aktualisierte Version des in der BtP-Ausgabe 25 schon erwähnten Anschlags betr. des neuen ec-Geldautomaten bei der Hauptpost aus: die Fehler sind immer noch die selben, nur das Datum wurde erneuert. Danach mache ich eine GeoCaching-Kontrolle bei meinem Stadtpunkte-NMS-Cache. Meine Lieblings-Pizzeria macht nach über 30 Jahren zu: das “Siciliana” in der Kaiserstraße. Darin hab ich schon schöne Stunden mit meiner ersten Jugendliebe verbracht – und ich bin nicht mehr der Jüngste…
Dann gibts noch kurz einen Rückblick auf meine Lesung im Volkshaus NMS-Tungendorf am 13. November. Bis Weihnachten bin ich mit einer ganzen Reihe von weiteren Leseveranstaltungen unterwegs, einige Termine gibt es gegen Ende des Podcasts. Und ich beantworte eine Hörerfrage von unserem Stammhörer KRDigital, dem lieben Michael aus Krefeld.
Entschuldigt einmal mehr die Überlänge – die Fans wollen es so (nein, keine Selbsteinschätzung, sondern Aussage einer sehr lieben Hörerin). Wie gehabt, mit Kopfhörer habt ihr mehr davon. Viel Spaß, Bussi und Winke -
Euer Meikel
Armutszeugnis für die Arge/DLZ Neumünster
Dieses Posting schreibe ich mal so ganz spontan, um meinem Ärger Luft zu machen und zu zeigen, wie man als Hilfebedürftiger bei der hiesigen Arge, auch als “Dienstleistungszentrum Neumünster” bezeichnet, behandelt wird. Als Blog-Eintrag deshalb, weil es mir wichtig ist, dass dies direkt lesbar ist, ohne in den Podcast hinein hören zu müssen.
Was ist passiert? Ich wollte heute nichts weiter als meine Monatsabrechnung von der Briefzustellfirma, für die ich tätig bin, bei der Arge abgeben, damit die Leistungsabteilung meine Minijob-Einkünfte korrekt mit meinem Arbeitslosengeld-II verrechnen kann. Wie gesagt, nur abgeben! Ich brauchte dafür nicht bei einem Sachbearbeiter vorzusprechen. Im Empfangsbereich steht dafür ein Kasten zum Einwurf solcher Dinge. Die Öffnungszeit des DLZ Neumünster am Montag ist von 8.00 bis 13.00 Uhr.
Um 12.57 Uhr (gemessen nach DCF-77) stand ich vor der verschlossenen Glastür. Im Kundencenter war noch Personal zu sehen. Ich habe also geklopft und notwendig auf mein abzugebendes Abrechnungsblatt gezeigt. Aber die Leutchen drinnen haben nur kopfschüttelnd auf ihre Handgelenke gezeigt und dabei – und das fand ich geradezu schäbig – breit gegrinst! Mal davon abgesehen, dass bei der Arge die Uhren offensichtlich sehr arbeitnehmerfreundlich zu gehen scheinen und deshalb vorzeitig geschlossen wird – zeigt dieser Vorfall, wie unhöflich, ja geradezu menschenverachtend mit ALG-II-Beziehern umgegangen wird. Ich vermeide es auch immer tunlichst, bei der “Vorhut” im DLZ-Kundenzentrum vorzusprechen, weil man dort in aller Regel sehr herablassend und unfreundlich behandelt wird. Wenn man dort vorspricht, darf man nicht ausreden, sondern es wird einem sofort ins Wort gefallen, was man wieder alles falsch gemacht hat. Mal ganz davon abgesehen, dass ich noch nie einen Mitarbeiter dort beim “Empfangskommitee” habe freundlich lächeln sehen. Ich gebe zu: die Leute dort haben wahrlich keinen leichten Job, da sie häufig mit ebenso unfreundlichen Kunden zu tun haben (was in der Natur der Sache bedingt ist). Von daher wird das Personal offenbar darauf in ihren Kommunikations-Seminaren darauf geschult, ALG-II-Bezieher alle gleich unfreundlich zu behandeln.
Ich möchte ausdrücklich betonen, dass dies nur auf das Kundenzentrum im Empfangsbereich zutrifft. Hier sollen anscheinend erst mal Kunden, so gut es geht, abgewimmelt werden. Zu meiner persönlichen Beraterin oben im 2. Stock – und das habe ich früher bereits mal im Podcast erzählt – habe ich ein hervorragendes Verhältnis; sie hat mir u. a. auch meine nicht gerade sehr billige Fortbildung zum WebDeveloper ermöglicht, und auch sonst führen wir immer sehr konstruktive und produktive Gespräche. Von daher versuche ich immer nach Möglichkeit, direkt mit meiner Beraterin in Kontakt zu treten. Wenn ich das über das Empfangspersonal im Erdgeschoss versuche: keine Chance! Da wird erstmal per Telefon rückgefragt, und natürlich ist niemand zu erreichen. Wenn ich dann versuche, mein Anliegen sachlich und freundlich vorzutragen, sind auf Grund Nicht-Ausreden-Lassens Missverständnisse und Falschauskünfte vorprogrammiert.
Nun wird sich also die Auszahlung meines nächsten ALG-II-Regelsatzes um einen Tag verzögern, weil beim DLZ Neumünster im Erdgeschoss die Uhren offenbar sehr falsch gehen.
Brieftour-Pod #25
Tadaaa! Nr. 25 des Brieftour-Pods ist online! Ist das schon ein Jubiläum? Auf jeden Fall feiern wir ein wenig – mit einer etwas überlangen Folge speziell für die Fans, die nicht genug bekommen können (ja, die gibt’s tatsächlich, auch wenn sich allmählich die fortlaufende Nummer antiproportional zu den Hörerzahlen verhält). Produktionsdatum ist der 7. November 2009 und nicht, wie im Podcast angesagt, der 6. November.
Zunächst sinniere ich über die seltsam ruhige Tiefdruck-Wetterlage und den ersten Schnee der vergangenen Woche. Dann gibt es einige Gedanken über Einkaufsmöglichkeiten und -unmöglichkeiten in Neumünster. Meine Einkaufs-Neuentdeckung der vergangenen Woche ist der MIX-Markt (aktuelle Wochenangebote hier). Das ist tatsächlich eine große Kette – wusste ich gar nicht! Des weiteren lade ich euch ein zu meinem Leseabend im Volkshaus/Mehrgenerationenhaus Tungendorf am 13.11. um 20:00. Thema des Abends: “Er und Sie – ein wunderschönes Paar”, es geht also um Beziehungskisten.
Die Zustellungen könnten eine Dauerwerbesendung ersetzen: wir gehen gemeinsam zu McDonalds in der Brückenstraße, in ein nahegelegenes Autohaus und zum MediaMarkt. Außerdem berichte ich von einem Erlebnis im Zusammenhang mit der Diebstahlsicherungsanlage bei expert in der Rendsburger Straße.
Zur Feier des Tages gehen wir gemeinsam Frühstücken im Coffeehouse Tackmann. Danach erzähle ich von einem “Running Gag” mit der von mir hochverehrten Journalistin Gabriele Vaquette vom Holsteinischen Courier, die mich bei jedem Zusammentreffen auf Veranstaltungen fragt, woher sie mich kennt. Und abschließend erkläre ich euch im Röhrenweg mein Rezept für eine süße Polenta.
Über eine Stunde geballte Plauder-Unterhaltung – wie immer in Kunstkopf-Stereo (die letzte Minute am Schluss allerdings in Mono, mal schauen, ob das jemand merkt). Viel Spaß!
Wo warst du am… 9./10. November 1989?
In den letzten Tagen und Wochen werden wir ja von allen medialen Seiten mit den Ereignissen der Wendetage im Herbst ‘89 förmlich erschlagen. Heute am 9. November höre ich bei SWR1 nichts Anderes als Geschichten nach dem Motto “Was haben Sie am 9. November ‘89 erlebt?” Am 9.11.89 war ja eigentlich gar nichts Besonderes los. Ich hatte kurz zuvor mein Volo in Niederbayern beendet und war wieder für eine Woche in meiner Heimat in NMS. Das Politbüro der DDR war wenige Tage zuvor geschlossen zurück getreten, ein Reisegesetzentwurf war irgendwie so – ja, in Planung, alles sprach noch von der riesigen Demonstration am Alex vom 4. November. Um 19:00 war die hinreichend bekannte PK mit Günter Schabowski beendet, und die hat doch irgendwie niemand richtig wahr genommen. Es war ja nicht so, wie heute viele glauben, dass nach dieser “Verkündigung” alles zu den Grenzübergängen gestürmt ist.
Ich schaltete an jenem Tag um kurz nach 19 Uhr den ARD-Videotext ein. Die Seite 100 sah am 9. November 1989 gegen 19.30 Uhr irgendwie anders aus. Es war eine leere Seite, auf der in gelber Schrift nur eine Zeile blinkte: “Die Mauer ist offen!” Aber wie gesagt – außer ein paar Verkündigungen im DDR- und Westfernsehen war eigentlich nichts Großartiges los.
Aber das für mich eigentlich Prägende des drauffolgenden Tages: ich hatte einen Termin zur Musterung! Man wollte mich trotz fortgeschrittenen Alters zum Wehrdienst einziehen. So habe ich mich morgens um 6 Uhr des 10. November mit dem Fahrrad nach Kiel begeben, um mich mit meinem lädierten Rücken und wackeligem Kreislauf für wehrdienstuntauglich erklären zu lassen. Ich hatte auf der Radtour ein Radio dabei, Stimme der DDR auf 179 kHz. Das Programm war überwältigend – Live-Reportagen, bei DDR-Sendern schon mal was ganz Ungewöhnliches! Aber Live-Reportagen von Grenzübergängen, sowohl von Ost- als auch von West-Seite? Wie jetzt? Staumeldungen… Nanu? Verkehrsfunk auf “Stimme der DDR”? Gabs sonst früher nur im kleinen Stil bei Radio DDR 1.
Entsprechend euphorisch kam ich trotz bevorstehendem Musterungstermin in Kiel an. Diese Euphorie legte sich dann aber ganz schnell nach der Ankunft im Kreiswehrersatzamt Kiel, damals noch in der Küterstraße. Man stelle sich vor: die ganze Welt liegt sich weinend und feiernd in den Armen, und dort in den Bundeswehr-Diensträumen? Eine geisterhafte Totenstille, das Personal lief dort nur mit muffeligen Gesichtsausdrücken herum, es lag gedrückte Stimmung in der Luft. Offensichtlich verstand man, dass in der vergangenen Nacht ein Feindbild in die Grütze gegangen ist. Gegen wen soll man denn jetzt noch Krieg führen oder zumindest verteidigungsbereit bleiben? Die Verteidigungs-Propagandaflyer von damals zeigen ja nichts Anderes als Mauer, Stacheldraht und Grenzopfer – und gegen so etwas muss man sich ja verteidigen! Und das war nun alles dahin…
Na ja, kurz und gut – ich wurde für wehrtauglich erklärt, und im Februar 1990 in der Grundausbildung habe ich noch während einer Geländeübung einen “Kriegsspiel-”Auftrag mitbekommen, bei dem NVA-Truppen nahe Trittau stehen und Richtung Bad Segeberg vorrücken, und die sollte meine Einheit zurück schlagen – dies zu einer Zeit, als längst die ersten Vereinigungsbestrebungen im Gange waren! Und noch im März 1990 durften Geheimnisträger der BW (man nannte sie glaube ich S2- oder S3-Offiziere) überhaupt nicht oder nur nach eingehender Prüfung in die Noch-DDR einreisen.
Aber zurück in die Zeit November/Dezember 1989. Fast jeder Nachrichten-Tag begann mit den Meldungen, welche neuen Grenzübergänge geöffnet wurden. Als am 22. Dezember 1989 quasi als Weihnachtsgeschenk an Berlin das Brandenburger Tor eröffnet wurde, war die Bundeswehr schwer beleidigt, dass sie dort nicht mit Musik und Tschingderassassa durchmarschieren durfte. Die Provokation gegenüber der DDR wäre dann doch zu groß gewesen.
Und ich kann mich erinnern, dass ich ein einziges Mal während der Wendezeit auch feuchte Augen der Rührung bekam. Das war, als Wolf Biermann am 1. Dezember 1989 das erste Mal nach 13 Jahren wieder im Osten auftreten durfte. Sein Konzert in einer eiskalten Messehalle in Leipzig war sehr bewegend. Es wurde sowohl im DDR-Fernsehen als auch in der ARD live gesendet.


